Aussprüche des hl. Johannes M. Vianney, Pfarrer von Ars

SITTLICHES LEBEN

 

VON DEN ARMEN UND VOM ALMOSENGEBEN

 

Wie glücklich sollten wir sein, wenn die Armen zu uns kommen, um uns um eine Gabe zu bitten! Kämen sie nicht, so müßten wir sie aufsuchen; doch dazu haben wir nicht immer Zeit.

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Die Armen soll man nie zurückweisen. Kann man ihnen nichts geben, so bitte man Gott, er möge Andere anregen, es zu tun.

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Verachtet die Armen nie, denn diese Verachtung würde auf Gott zurückfallen!

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Es ist nicht übernatürlich verdienstlich, Gutes zu tun, wenn es nur aus natürlichen Antrieben geschieht.

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Viele geben nur Almosen, um gesehen, gelobt und bewundert zu werden. Andere können nicht genug Dank erhalten. Alle diese handeln nicht recht! — Wenn ihr nur um der Welt willen Almosen spendet, so habt ihr recht, euch zu beklagen. Wenn ihr aber um des lieben Gottes willen Almosen gebt, was liegt dann daran, ob man euch danke? — Wir sollen allen soviel Gutes tun, als wir nur können, unsern Lohn aber nur von Gott allein erwarten.

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Betrachtet den heiligen Johannes von Gott! Er hatte die Gewohnheit, den Armen die Füße zu waschen, bevor er ihnen zu essen gab. Während er sich eines Tages über die Füße eines Armen neigte, sah er, daß diese durchbohrt waren. Da richtete er tief bewegt sein Haupt empor und rief aus: »Du bist es also, Herr!« Der Heiland aber sprach zu ihm: »Johannes, ich sehe es so gerne, wie du für meine Armen sorgst«, und verschwand.

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Manche wenden ein: »Oh, die Armen machen einen schlechten Gebrauch von den Almosen.« — Mögen die Armen die Gaben gebrauchen wie sie wollen, sie werden einst darüber Rechenschaft ablegen müssen. Ihr aber werdet wegen der Almosen gerichtet werden, die ihr hättet geben können und nicht gegeben habt.