Aussprüche des hl. Johannes M. Vianney, Pfarrer von Ars

 

 

LEBENSSKIZZE

 

Johannes Maria Vianney — das ist der bürgerliche Name des heiligen Pfarrers von Ars — kam am 8. Mai 1786 in Dardilly bei Lyon als Sohn armer Bauersleute zur Welt. Während einiger Jahre besuchte er die Volksschule, um dann zu bäuerlichen Arbeiten herangezogen zu werden. Erst mit 19 Jahren begann er mit dem Lateinunterricht, der ihm unendlich viel Sorgen und Schwierigkeiten bereitete. Kaum ins Priesterseminar eingetreten, mußte er wegen völliger Unfähigkeit wieder nach Hause gehen. Pfarrer Balley von Ecully, sein Berater und Seelenführer, hielt ihm aber die Treue und bereitete ihn privat aufs Priestertum vor, weil er felsenfest von Vianneys Berufung überzeugt war. Diesem selber war kein Opfer zu groß, den erhabenen Beruf zu erlangen. In zäher Arbeit, unermüdlicher Geduld und innigem Gebet erreichte er schließlich sein Ziel und empfing am 13. August 1815 die heilige Priesterweihe. Er wurde Vikar in Ecully bis zum Tode seines geistlichen Vaters; dann 1818 Pfarrer von Ars. Dieses kleine Dorf auf dem Dombes, einer Hochebene nördlich von Lyon, stand in einem schlechten Ruf. Die Bewohner frönten der Trunksucht und der Ausschweifung und entheiligten den Sonntag. »Das Geheimnis, wie dieses unbekannte und verlotterte Ars in wenigen Jahrzehnten zu einer Gemeinde der Heiligen und einem Wallfahrtsort für Sünder und Verzweifelnde wurde, ist nicht mit neuen Seelsorgsverfahren und verdoppelter Rührigkeit zu erklären. Die Lösung ist viel einfacher und größer. Der einsame Leutpriester von Ars warf seine ganzen Sorgen und Kümmernisse auf den Herrn, löschte sein eigenes Ich völlig aus und war wie ein Kind, das sich an die Hand des Vaters klammert. Gott aber ist stark und gütig. Wer sich ihm ganz ergibt, ohne einen Vorbehalt der Eigenliebe, der wird ein Teil der unwiderstehlichen Gotteskraft. Vianney war nicht mehr Mensch unter Menschen, sondern Stellvertreter Gottes, Spender seiner Gnaden und Mittler seiner Wunder« (Hümmeler).

Der Funke des Gottesfeuers, den Vianney in seine Pfarrei warf, glühte bald auf und wurde zum gewaltigen Brand. Die Pfarrangehörigen kamen wieder zum Gottesdienst, den er anziehend zu gestalten suchte. Sie lauschten seiner Predigt, die er vor dem Tabernakel, in Gebet und Betrachtung versunken, stets gewissenhaft vorbereitete. Seine Pfarrkinder fanden sich auch zur Beichte ein, wo er sich als Seelenkenner ohnegleichen erwies, der mit wenigen, aber eindringlichen Worten jedem sagte, was er gerade für seine Seele nötig hatte. Ja, er wurde geradezu ein »Märtyrer des Beichtstuhles«, der mit abgezehrten Wangen und schmerzendem Rücken fast ununterbrochen das »Ego te absolvo« sprach. Mit der Zeit wurde Johannes Vianney viel zur Aushilfe eingeladen. Die Berufung auf bessere Pfarrstellen lehnte er immer ab. Das Domherrenmäntelchen verkaufte er; das Kreuz der Ehrenlegion schloß er in eine Schublade ein. Ars war ihm bedeutend genug; ja, es wurde zu einem Mittelpunkt des religiösen Lebens in Frankreich. Der einst verachtete Pfarrer genoß jetzt einen Ruf, der nicht nur die Gläubigen aus seiner eigenen engeren und weiteren Heimat, sondern sogar aus Übersee anzog. Jährlich sollen über 100.000 Pilger nach Ars gekommen sein — und was noch wichtiger ist — sie verließen es als bessere Menschen und bessere Christen. Seiner Persönlichkeit konnte keiner widerstehen. In seiner Stimme, in seiner Gebärde, in seinem Blick, auf seiner verklärten Gestalt lag nämlich ein so außerordentlicher Glanz, eine so wundersame Gewalt, daß man in seiner Gegenwart unmöglich gleichgültig und kalt bleiben konnte. Je mehr man ihn hörte, desto größer wurde das Bedürfnis, seine Worte zu vernehmen, und man kehrte immer wieder zu dieser Kanzel zurück wie zu einem Orte, wo man die Schönheit, die Wahrheit und das Glück gefunden hat. Er war ein Feuer, das andere entflammte; ein Licht, das andere erleuchtete. Er war Wegweiser und Führer zum Himmel, der Ungezählten das Leben der Gnade vermittelte und damit das ewige Leben.

Wäre Vianney nicht zäh gewesen wie ein Wurzelstock und gesund wie die Bauern, er hätte schwerlich bei seinem zwanzigstündigen Tagewerk und seiner harten Askese das hohe Alter erreicht, das ihn noch die Ernte seiner Mühen erleben ließ. Volle 40 Jahre wirkte er als Pfarrer mit vorbildlichem Eifer und unermüdlicher Geduld und Ausdauer zur Ehre Gottes und zum Heil der unsterblichen Seelen. Am 4. August 1859 aber ging an ihm die Verheißung Christi in Erfüllung: »Wohlan, du guter und getreuer Knecht! Weil du über weniges getreu warst, will ich dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn« (Matth. 25, 23).