Aussprüche des hl. Johannes M. Vianney, Pfarrer von Ars

SITTLICHES LEBEN

 

DREI HAUPTSÜNDEN: GEIZ, UNKEUSCHHEIT UND STOLZ

 

Es gibt zwei Arten von Geizigen: die Geizigen des Himmels und die Geizigen der Erde. Die Geizigen der Erde gehen mit ihren Gedanken nicht über die Zeit hinaus; sie haben nie genug, sie häufen immerfort auf. Wenn aber der Augenblick des Todes kommt, dann haben sie doch nichts. Der gute Christ — ein Geiziger des Himmels — macht sich sehr wenig aus den Gütern der Erde. Er denkt nur daran, seine Seele zu schmücken. Er sammelt nur das, was ihn ewig befriedigen kann und ewig dauern wird.

*

Wenn der Tod kommt, dienen die irdischen Güter nur zur Beunruhigung. Wir nehmen nichts mit. Wir lassen alles zurück.

*

Ich glaube, daß niemand so sehr zu beklagen ist, wie die Reichen, wenn sie Gott nicht lieben.

*

Die Heiligen hingen den irdischen Gütern nicht so sehr an wie wir. Sie hingen aber dem an, was sie ewig befriedigen wird.

*

Der Leib des Christen ist ein Tempel des Heiligen Geistes. Wenn wir aber das Unglück hatten, die Sünde der Unkeuschheit zu begehen, dann werden wir zur Höhle des Teufels.

*

Unser Herr hat gesagt, daß nichts Unreines in sein Reich eingehen wird. Wie sollte auch eine befleckte Seele vor Gott erscheinen dürfen, der unendlich rein und heilig ist?

*

Wir alle sind gleichsam kleine Spiegel, worin Gott sich betrachtet. Wie könnte sich Gott in einer unreinen Seele erkennen?

*

Jene, welche die Reinheit verloren haben, gleichen einem Stück Tuch, das voll Fettflecken ist: Waschet es, trocknet es, die Flecken kehren immer wieder zurückl Es ist daher ein Gnadenwunder nötig, wenn eine unreine Seele wieder rein werden soll.

*

Im Blick des Reinen liegt eine Offenheit und Anständigkeit, die gleich zeigt, daß sich sein Herz gern mit dem lieben Gott beschäftigt. Die Blicke des Unreinen dagegen zeigen oft ein unheimliches Feuer. Der Satan setzt sich in seine Augen, um andere zu Falle zu bringen und zum Bösen fortzureißen.

*

Der Stolz ist die verfluchte Sünde, welche die Engel aus dem Himmel vertrieben und sie in die Hölle gestürzt hat.

*

»Sie haben ein Laster, das Sie in die Hölle zerrt, der Stolz«, erklärte Vianney eines Tages einem Kaufmann.

Der Stolz ist die Kette, die alle Laster verbindet.

*

Der christlichen Liebe läuft nichts mehr zuwider als der Stolz. Sie verhalten sich zueinander wie Feuer und Wasser.

*

Eine stolze Person glaubt, alles, was sie tut, sei recht getan. Sie will über alle herrschen, die es mit ihr zu tun haben. Sie hat immer recht und hält ihre Meinung stets für besser als die der andern.

*

Wollt ihr wissen, ob jemand stolz sei, so hört ihn nur reden! Ein Stolzer will immer das Wort haben, spricht immer nur von sich selber, macht immer alles besser als andere. Nur er tut Gutes. Er tadelt die Handlungen anderer in der Hoffnung, dadurch die seinigen hervorzuheben.

*

Es gibt vielerlei Arten, aus Stolz zu sündigen: Viele zeigen Stolz in ihren Kleidern, in ihrer Sprache, in ihrer Haltung, in ihrem Gange. Andere können, wenn sie etwas Gutes tun, es nicht lassen, davon zu erzählen. Der Gedanke, man könnte eine schlechte Meinung von ihnen haben, macht sie trostlos. Manche vermeiden sorgfältig den Umgang mit Armen und suchen stets nur die Gesellschaft der Reichen. Wieder andere rühmen sich und sind voll Eitelkeit, wenn sie Zutritt bei den Großen der Welt haben.

*

Die Stolzen und Ruhmsüchtigen haben gar keinen Gewinn von ihren guten Werken. Im Gegenteil, diese verwandeln sich in Sünden.

*

Nur der Stolz hindert uns. Heilige zu werden.