298. Die Kreuzesinschrift

(Mt 27, Mk 15, Lk 23, Joh 19)

 

I Pilatus schreibt die Kreuzesinschrift

Pilatus hatte auch eine Inschrift anfertigen und an das Kreuz heften lassen. Sie lautete: «Jesus von Nazareth, der König der Juden.»

Die Henker bringen die Inschrift für das Kreuz. Abermals bedient sich die Weisheit des himmlischen Vaters der Bosheit der Gottlosen, um die Ehre und das Verdienst der Gerechten zu fördern. Abermals sollst du erfahren, daß die Menschen nur Werkzeuge in der Hand der göttlichen Vorsehung sind. Bestärke dich am Fuß des Kreuzes im Vertrauen auf sie! Wie lautet die Inschrift des Kreuzes? Sie verkündet, was Jesus vor Gott und den Menschen ist. Pilatus hat die Worte dieser Inschrift geschrieben, aber Gott hat sie ihm eingegeben. Durch diese wenigen Worte soll die ganze Welt erfahren, wer Jesus ist. Komm auch du und präge es dir von neuem ein: «Jesus von Nazareth, der König der Juden». Jesus ist dein Erlöser und dein König.

Diese Inschrift nimm aus den Händen der Soldaten und befestige sie oben am Kreuz. Da Jesus dein Erlöser ist, so danke Ihm, und da Er dein König ist, huldige Ihm! Wünsche diesem König der Könige die Herrschaft über alle Seelen. Was willst du tun, um sein Reich auf dem Erdkreis auszubreiten?

 

II Pilatus weigert sich, die Inschrift zu ändern

Diese Inschrift lasen nun viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt. Sie war hebräisch, lateinisch und griechisch geschrieben.

Betrachte die Volksschar, die sich um den Fuß des Kreuzes drängt! Viele der Vorüberziehenden, es sind Fremde von auswärts, fragen sich, wer dieser Gekreuzigte sei. Die spärlichen Worte sind ihr einziger Anhaltspunkt, um die Wahrheit zu entdecken. Im Widerspruch damit hören sie von allen Seiten nur grobe Verleumdungen und bitteren Hohn. — Kennst du solche Seelen, die die Wahrheit suchen und nach der Wahrheit verlangen? Während du im hellen Licht wandelst, irren Scharen solcher Unglücklicher umher, aller Hilfe beraubt, in Finsternis und geistigem Unvermögen. Empfiehl diese Armen dem Gebet des sterbenden Erlösers! Bete, daß die Strahlen der göttlichen Wahrheit auf jene fallen, die du so gerne vor der ewigen Nacht bewahren möchtest!

Da sagten die jüdischen Hohenpriester zu Pilatus: «Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern: Der hat behauptet: Ich bin der König der Juden.» Pilatus entgegnete: «Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben.» Bemerke, wie der böse Feind sich beim Anblick dieser Inschrift ärgert, die allen Menschen ankündigt, daß sie einen Erlöser und König haben. Hier erleidet der Stolz, der Jesus verurteilt hat, eine erste Verdemütigung. Diese Menschen hielten sich für klug, nun werden sie durch die ewige Weisheit beschämt. Sie glaubten erleuchtet zu sein, und die Wahrheit blendet sie. Freue dich über ihre Niederlage und lerne siegen unter dem Banner Jesu Christi!

In einer Flut von Schmach wollte man die Ehre Christi ersticken, und gerade diese Schmach verkündigt jetzt seine Ehre und seinen Triumph. O Seele, wenn Jesus dein Erlöser und König sein soll, so umfaße wie Er die Verachtung und das Leiden! Er verwandelt die Schmach in Ehre, das Leiden in Seligkeit.