257. Ermutigende Verheißungen Jesu

(Joh 14)

 

I Jesus weist die Jünger hin auf die ewige Heimat

«Euer Herz bange nicht! Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, dann hätte ich es euch gesagt. Ich gehe ja hin, euch eine Stätte zu bereiten.»

Nähere dich deinem Meister; bitte Ihn um die Gnade tiefer, innerer Sammlung, um seine letzten Ermahnungen gut zu verstehen. «Betrübt euch nicht», sagt Er jenen, die Er verlassen muß. «Bleibt fest im Vertrauen auf mich. Alles, was ich euch gesagt habe, ist wahr; alles, was ich euch verheißen habe, wird in Erfüllung gehen. Ich habe euch nicht erwählt, um euch wieder preiszugeben.» Beziehe diese Trostworte auf dich! Wenn Jesus sich entfernt, so geschieht dies immer zu unserem Besten. Um die Trauer über sein Scheiden zu mildern, genügt die Überzeugung, daß Jesus allzeit für das Wohl der Seinigen tätig ist, mag Er ihnen nahe oder fern sein, im Himmel oder auf Erden; seine Sorge für sie bleibt sich stets gleich. Sei versichert, daß der himmlische Vater dir seinen Sohn nicht für einige Tage, sondern für immer gegeben hat. «Wenn ich dann hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, so komme ich wieder und nehme euch zu mir, damit auch ihr seid, wo ich bin.» — Du mußt also auch deine Vorbereitungen treffen. Das ganze gegenwärtige Leben soll dir als Vorbereitung zum ewigen Leben dienen. Warum solltest du dem Tag mit Furcht entgegensehen, an dem sich Jesu Worte: «Ich werde wiederkommen und euch zu mir nehmen», an dir erfüllen werden? O meine Seele, an diesem glücklichen Tag wirst du endlich dort sein, wo Er selbst ist. Du wirst dann Teilnahme an seinen Gütern erlangen, wirst mit königlichem Schmuck bekleidet werden und die Sicherheit haben, daß dein Glück ewig währen wird.

 

II Jesus erklärt den Jüngern, daß sie durch Ihn und in Ihm den himmlischen Vater finden werden

«Wohin ich gehe, wißt ihr, ihr kennt den Weg.» Thomas entgegnete Ihm: «Herr, wir wissen nicht, wohin Du gehst. Wie sollen wir da den Weg kennen?» Jesus sprach zu ihm: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.»

Bevor der Meister ihnen entzogen wird, verlangen die Jünger Genaueres zu erfahren. «Wohin gehst Du?» fragt ihr beunruhigtes Herz. «Zeige uns den, zu dem Du zurückkehrst! Bezeichne uns den Weg, der zu Ihm führt!» — Was antwortet Jesus? «Ich bin der Weg. In mir und durch mich findet ihr alles, dessen ihr bedürft, um zum Vater zu gelangen und ewiglich in seinem Haus zu wohnen.»

«Wer mich sieht, sieht auch den Vater . Glaubt ihr nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist?» fügt Jesus bei. «Durch die Vereinigung mit mir werdet ihr den Vater erkennen. Meine Worte und meine Werke offenbaren die Größe des Vaters, seine Macht, Güte und Barmherzigkeit. Meine Menschheit ist der Spiegel der Gottheit. Verlangt für jetzt nicht, mehr davon zu wissen. Durch meinen Tod werde ich euch das Glück verdienen, den Vater von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Aber erst im Himmel könnt ihr dieses Glückes teilhaftig werden.»

 

III Jesus verspricht seinen Jüngern die Macht, Wunder zu vollbringen, und verheißt ihren Gebeten Erhörung

«Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich tue, ebenfalls tun; ja, er wird noch größere als diese tun. Denn ich gehe zum Vater.»

Erwäge die erhabenen Verheißungen, die Jesus seinen Aposteln macht. «Für euch werden glorreiche Tage kommen. Der Vater wird sich euer bedienen, wie Er sich meiner bedient hat. Eure Hände werden Wunder vollbringen.» Auch an dich richtet die ewige Wahrheit diese Worte, denn allen, die an Ihn glauben, stellt der Sohn Gottes seine Allmacht zur Verfügung.

Von dir, gottgeweihte Seele, erwartet Er folglich große Dinge, keine mittelmäßigen, sondern große Werke, besondere Anstrengungen, fest gegründete Tugenden und heldenmütige Beispiele. Im Dienst Christi ist es nicht mehr erlaubt zu sagen: «Ich kann nicht»; denn Jesus selbst versichert, daß du alles kannst mit seiner Kraft.

Führe dir lebhaft all die Mittel vor Augen, welche dir für die Arbeit an deiner Vervollkommnung zur Verfügung stehen. Erweitere deinen Gesichtskreis, mache große Pläne für die Ausbreitung des Reiches Gottes und wisse, daß du sie durch Gebet verwirklichen kannst! So hat es Jesus bestimmt; daß Gebet räumt dir alle Macht über jenen ein, der alles kann. «Alles, um was ihr dann den Vater in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.»

Wie wirst du dieses großmütige Anerbieten ausnützen? Wann willst du die Wahrheit dieses Versprechens erproben? Wann endlich wirst du den Namen und die Verheißungen des Sohnes durch ein echtes und gläubiges Gebet beim Vater geltend machen?