147. Jesus heilt einen besessenen Knaben

(Lk 9, Mt 17, Mk 9)

 

I Jesus trifft die Apostel in einem Wortstreit mit der Menge

Als sie zu den Jüngern kamen, sahen sie eine große Volksmenge um sie herum und Schriftgelehrte im Streit mit ihnen. Sobald das ganze Volk Ihn erblickte, war es ganz überrascht, eilte auf Ihn zu und begrüßte Ihn. Er fragte sie: «Worüber streitet ihr mit ihnen?»1

Erwarte auch du den Heiland am Fuß des Tabors. Nach den Freuden der Verklärung kehrt Er zu seinen täglichen Arbeiten zurück. Er weiß, wie dringend die Menschen seiner Gegenwart bedürfen. Sowie Er sich auch nur einen Augenblick entfernt, gerät alles in Verwirrung. Was geht in dieser aufgeregten Volksmenge vor, die Jesus entgegeneilt? Nichts als Unordnung, fruchtlose Anstrengungen, ergebnislose Erörterungen und unlösbare Schwierigkeiten. Aber Jesus zieht sich nur deshalb zurück, um die Seinen fühlen zu lassen, wie notwendig Er ihnen ist. Daher kehrt auch Friede und Freude in aller Herzen zurück, sobald sie Ihn wiedersehen.

Alle begrüßen seine Rückkehr wie das Wiedererscheinen des Lichtes und hoffen zuversichtlich auf die Heilung ihrer Übel. Nimm auch du an dieser allgemeinen Freude teil, und belebe deinen Eifer!

1 Man glaubt, daß die Begebenheit sich bei dem kleinen Flecken Dabereth am Fuß des Tabors zutrug, wo Jesus wieder zu seinen Jüngern kam. Das Dorf liegt am Abhang des Berges, der mit Gras, Gesträuch und Eichen bewachsen ist. Man sieht dort noch die Ruinen einer christlichen Kirche, die den neun Aposteln geweiht war, die hier auf den Heiland während Seiner Verklärung warteten.

 

II Jesus hört die Bitte eines betrübten Vaters an

Einer aus dem Volk antwortete Ihm: «Meister, ich habe meinen Sohn zu Dir gebracht, er ist von einem stummen Geist besessen. Wenn der ihn packt, zerrt er ihn hin und her. Dann schäumt er, knirscht mit den Zähnen und liegt starr da.»

Ein betrübter Vater nähert sich dem gütigen Heiland und erzählt Ihm die traurige Geschichte seines Kindes. Sein einziger Sohn ist der Spielball Satans geworden. Das Kostbarste, was er auf Erden hat, ist in die Hände eines grausamen Tyrannen gefallen. Der Vater sucht einen Retter, aber noch hat er keinen gefunden. «Ich habe Deine Jünger gebeten, daß sie ihn austreiben möchten, aber sie konnten es nicht.» Höre dem Bericht des Vaters zu! Beachte besonders die Ehrfurcht, die er dem Heiland erzeigt!

Wie lautet die Antwort Jesu? «O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange noch werde ich bei euch sein? Wie lange noch euch ertragen?» Diese strengen Worte dürfen dich nicht erschrecken. Jesus ist nur streng, um den Gauben zu stärken und die Hoffnung zu beleben. Weder die Zudringlichkeit des Bittstellers noch seine Unvollkommenheiten vermindern die Hilfsbereitschaft des Heilands. Er will allen ausnahmslos gut sein. Merke dir, daß selbst ein unvollkommenes Gebet nicht ohne Einfluß auf das göttliche Herz Jesu ist. Er hält freilich den Bittstellern ihren Unglauben vor, dennoch erhört Er gütig ihr Flehen.

«Bringe deinen Sohn hierher», spricht Jesus zu dem betrübten Vater. Bringe auch du dem Heiland alle, die du dem Bösen entreißen und im Guten befestigen möchtest!

 

III Jesus heilt den besessenen Knaben

Da fragte Er seinen Vater: «Wie lange hat er das schon?» Der Vater antwortete: «Von Kindheit an. Schon oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Wenn Du etwas vermagst, so hab Erbarmen mit uns und hilf uns.» Jesus erwiderte ihm: «Wenn du glauben kannst! Alles ist dem möglich, der glaubt.»

Betrachte den Heiland, wie Er das arme Kind heilt! Erwäge die Bedingungen, die Er dem Vater stellt. Dieser hatte gesagt: «Wenn Du etwas vermagst, ... wenn Du mehr vermagst als Deine Jünger.» In diesen Worten liegt ein Zweifel, der die Erhörung der Bitte hindert. Zuvor muß der Mann fest glauben, daß Jesus mehr vermag als alle andern. Der Heiland fordert ihn ausdrücklich dazu auf. «Dem, der glaubt, ist alles möglich. Ich verlange nichts als Vertrauen, nichts als den Glauben, daß ich mächtig und gütig genug bin, dich zu erhören.» Frohlocke mit diesem glücklichen Bittsteller in dankbarem Vertrauen! Sieh, wie er sich auf die Knie wirft und unter Tränen ausruft: «Ich glaube Herr, hilf meinem Unglauben!» Wenn er auch einen Augenblick an der Macht des Heilands gezweifelt hat, an seiner Güte hat er nie gezweifelt. Jetzt besitzt er alles, was zur Erhörung erforderlich ist.

Der Kampf zwischen Jesus und dem Satan beginnt, indem Jesus ruft: «Du stummer und tauber Geist! Ich gebiete dir: Fahr aus von ihm und kehr niemals mehr in ihn zurück!» Da schrie er, zerrte ihn heftig und fuhr aus von ihm. Bewundere die Leichtigkeit, mit welcher Jesus das wirkt, was kein anderer vermag! Ein Wort von Ihm genügt, die Hölle in die Flucht zu jagen. Willst du also den Satan besiegen, so kämpfe unter den Augen Jesu.

Die Macht, die Jesus bei diesem Wunder entfaltet, stellt Er auch dir zur Verfügung. Ein Wort, ein Zeichen von Ihm genügt, die heftigsten Angriffe Satans zurückzuwerfen, die stärksten Versuchungen zu besiegen und die schmerzlichsten Prüfungen zu lindern. Darum vertraue dem Heiland, zähle auf Ihn und ergib dich Ihm rückhaltlos!