34. Die Hochzeit zu Kana

(Joh 2)

 

I Jesus nimmt mit seiner Mutter und den Jüngern am Hochzeitsmahl teil

Am dritten Tage darauf war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Die Mutter Jesu nahm daran teil. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.

Begleite den göttlichen Meister. Da du zu seinen Jüngern gehörst, darfst du überall mit Ihm zu Gast sein.

Man lädt Jesus zu einem Fest ein, und Er nimmt die Einladung an. Warum tut Er dies? Er weilt gern unter den Seinigen und mit Freuden ergreift Er jede Gelegenheit, ihnen Gutes zu tun, sie zu beglücken und zu heiligen. Im näheren Umgang mit Ihm empfindet man weder Befangenheit noch Furcht. Beglückwünsche die Brautleute, die an ihrem Ehrentag dem göttlichen Heiland einen Platz in ihrem Haus bereiten. Wenn sie einst Gott über ihr Leben Rechenschaft ablegen werden, können sie den höchsten Richter an den Platz erinnern, den sie Ihm eingeräumt haben. Sie können zu Ihm sagen: «Du warst mitten unter uns, wir haben nichts getan, was dein Auge hätte beleidigen können.»

Sieh unter den Hochzeitsgästen auch die Mutter Jesu. Sie ist auch deine Mutter, deshalb begrüße sie mit kindlicher Ehrfurcht. Nimm gern den letzten Platz beim Mahl ein.

 

II Maria bittet bei ihrem Sohn für die Brautleute

Als der Wein ausging, sprach die Mutter Jesu zu Ihm: «Sie haben keinen Wein mehr.» Jesus erwiderte ihr: «Was habe ich mit dir gemeinsam, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. » Seine Mutter sagte dann zu den Dienern: « Tut, was Er euch sagt!»

Wie gut ist doch Maria, wie umfängt sie mit liebender Sorge jene, die ihren göttlichen Sohn lieben! Sie bemerkt zuerst die Verlegenheit der Brautleute und ist gleich bereit, alles zu tun und ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um dem Mangel abzuhelfen. Danke ihr von ganzem Herzen.

Blicke auf die hilfreiche Mutter, die dafür besorgt war, daß alles richtig und ordentlich zuging. Als sie den Wein ausgehen sah, ging sie zu ihrem Sohn und sagte zu ihm nur: «Sie haben keinen Wein mehr.» Als sagte sie: Mein Sohn, es fehlt hier an Wein. Sie deutete nur den Mangel an, ohne eine Bitte zu äußern, im Wissen, daß es bei einem Liebenden genügt, ohne jegliches Bitten auf die Notlage hinzuweisen. Daher sagte sie nicht: «Gib ihnen Wein», damit die Ehrfurcht vor dem Sohn gewahrt bleibt, sondern setzte ihre Hoffnung auf die Freigebigkeit und das Erbarmen des Sohnes. Aus ihrem gütigen Herzen heraus wollte sie dem gänzlichen Ausgehen des Weines zuvorkommen, so daß keine Verlegenheit entstünde. Und darum bat sie den Sohn, von dem sie wußte, daß Er die Macht dazu besaß. Erfüllt vom Heiligen Geist, sah sie das Wunder schon voraus, das ihr Sohn wirken würde.

Es ist anzunehmen, daß es nicht zufällig und von ungefähr geschah, daß der Wein ausging, da ja der Herr bei der Hochzeit anwesend war, vielmehr ergab sich so die Gelegenheit für ein Wunder.

Auf Mariens Bitten wird Jesus nun sein erstes Wunder wirken. Begründet dies nicht aufs neue dein Vertrauen auf Maria? Lerne daraus, in allen Nöten zu ihr deine Zuflucht zu nehmen. Fehlt es dir an Eifer, an Glauben, an Demut, an Ergebung, an Geduld, an geistlichem Trost? Geh durch Maria zu Jesus.

 

III Jesus verwandelt Wasser in Wein

Nun standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die Sitte der jüdischen Reinigung verlangte. Jeder von ihnen faßte zwei bis drei Maß1. Jesus gebot ihnen: «Füllt die Krüge mit Wasser.» Sie füllten sie bis zum Rande. Dann sprach Er zu ihnen: «Schöpft jetzt davon und bringt es dem Speisemeister!» Sie brachten es hin.

Betrachte, wie das Wunder sich im einzelnen vollzieht. Nie kann es dort an etwas fehlen, wo der Allmächtige selbst und diejenige, der Er alle Macht gegeben hat, gegenwärtig sind. «Alles, was Er euch sagt, das tut!» lautet der Rat Mariens. Nur durch vollkommene Erfüllung der Vorschriften des Heilandes macht man sich seiner Wohltaten würdig. Und Er verlangt nicht viel. Sie sollen Ihm nur das Wasser bringen, damit Er das Wunder der Verwandlung wirke. «Füllt die Krüge!» befiehlt Er. — «Bringt her zu mir alles, was ihr leer, verödet, verlassen findet: Ich werde Überfluß und Leben hineingeben.» — Eilig gehorchen die Diener. Ihr Gehorsam bezwingt das gütige Herz des Meisters, und nun geschieht das Wunder. Vertraue auch du, selbst wenn Gott die Bitte abzuweisen scheint. Gott verlangt, daß wir das Unsere tun, das uns möglich ist, so wird Er das Seine tun.

Komm und sieh die Wirkung göttlicher Allmacht, die alle Herzen mit Freude erfüllt. Führe ehrfurchtsvoll den Becher mit Wein an deine Lippen, den Jesus für die Hochzeitsgäste und auch für dich verwandelt hat. Er enthält den Trank, der Kraft verleiht gegen alle Entmutigung. Festige in dir die Überzeugung, daß du nichts verloren hast, solange dir jener bleibt, der mit einem Wort alles wieder geben kann. Erneuere zu seinen Füßen die Huldigung deines Glaubens. Ihm kannst du alles versprechen, denn von Ihm darfst du alles hoffen.

1 Dieses Maß war wahrscheinlich die römische Amphora, die 19 Liter hielt. Die Quelle, aus welcher vermutlich das Wasser geschöpft wurde, ist ungefähr 500 Schritte vom Ort entfernt und ist gegenwärtig noch wasserreich.